Malen nach Musik

Mai 8, 2008

Maltag bei Evelin – Acrylmalen – Thema: Malen nach Musik

19.04.2008 – Der Vormittag und die Mittagspause

Und wieder einmal ist Maltag. Um 10.00 Uhr beginnt der Kurstag. Wir, 5 Frauen, und Evelin stimmen uns mit einer Tasse Tee auf den Tag ein, entspannen etwas und kommen an. Evelin erzählt uns, dass sie drei Musikstücke für heute ausgesucht hat. Den Tag vorher wusste sie vor lauter Musik hören fast nicht mehr, welche Stücke sie denn nun nehmen soll. Wir sind gespannt. Bevor es los geht, haben wir alle die Qual der Wahl. Welche Papiergröße soll es heute sein? Acht mal A 3, zwei mal A 2, 70 x 100 cm oder das 70 x 100 cm Papier in drei Teile geteilt. Puuuh! Ich frage nach, welche Musikstücke wir denn hören werden, weil ich gerne danach das Papier aussuchen würde. Sie verrät es nicht. Mmmmmh! Da sitze ich nun und muss mich genau wie alle anderen blind entscheiden. Also gehe ich auf „Nummer Sicher“, das große 70 x 100 cm Blatt soll es sein. Auch die anderen Teilnehmerinnen, scheint mir, haben sich für die für sie üblichen Formate entschieden. Evelin schlägt vor, mit einem etwas kleineren Pinsel (24-iger) zu beginnen, damit das Papier nicht zu schnell voll gemalt ist. Da ich so gar nicht weiß, wo es in diesem Fall so bei mir längs gehen wird, nehme ich gerne den kleineren Pinsel. Zu dem Malprozess erzählt uns Evelin, dass sie die Musikstücke mit kleineren Pausen spielen wird. Gerne wird sie die Stücke auch ein zweites Mal hintereinander spielen. In den Musik freien Pausen können die Bilder noch etwas weiter entwickelt werden, müssen aber nicht. Sie schlägt vor, schon einmal alle Regenbogenfarben + Schwarz + Weiß in kleiner Menge bereit zu halten. Und nun geht es los.

Vivaldi – Frühling

Die Musik beginnt. Mir gefällt das klassische Stück. Und trotzdem habe ich das Gefühl, ich weiß gar nicht, was ich da tue. Teilweise kreist der Pinsel über das Papier und dann wieder springt er lustig und lebendig nach oben oder nach unten. Schnelle Farbwechsel sind kaum drin, denn die Musik nimmt gefangen und wieder muss der Pinsel schnell springen. Schon zu Ende! Für mich zu früh! Kurz setzen sich alle, betrachten ihre Bilder. Evelin sieht, dass meins noch gar nicht so weit ist, andere scheinen schon fertig. Sie macht mit dem Einverständnis aller die Musik ein zweites Mal an und alle malen noch etwas an ihrem Bild.

Ich bin nicht besonders zufrieden mit dem, was ich da so sehe. Teile gefallen mir schon, andere scheinen meinen Blick zu behindern. Einige großflächigen farbigen Teile passen mir so gar nicht. Wir haben vor dem nächsten Stück noch etwas Zeit, so dass ich sogleich die großen Flächen mir genehm mache, dass heißt sie werden türkisfarbig. Ist so schon besser, aber noch lange nicht gut.

Das Bild ruht jetzt etwas, weil wir das nächste Musikstück beginnen wollen.

Nun suche ich mir das dreigeteilte Papier aus. Es wird nebeneinander auf die Malplatte geklebt, so dass man über die Klebestreifen hinweg auf allen dreien gleichzeitig malen kann.

Griechische Musik (Sirtaki Kofto)

Ich erkenne den Sirtaki sofort. Erinnere mich an meine Schulzeit. Dort haben wir die Tanzschritte gelernt und den Tanz getanzt. Mein Pinsel, in zarte verdünnte Farben getaucht, tanzt lauter Achten und E’s auf dem Papier – in Reihen. Am Ende der zwei Musikstücke angelangt, sehen meine Papiere aus, als ob ein Erstklässler lauter E oder L Buchstaben geübt hat. Es war schon eine schöne Erinnerung, die ich da eben so gelebt habe. Wieder eine Pause, Bilder betrachten. Möchte noch jemand an seinem Bild malen? Ich nicht, kommt irgendwie bei mir zu dieser Musik nichts „Richtiges“ zustande. Auch nichts auf dem man aufbauen und weitere Ideen erarbeiten könnte.

Das Bild beiseite stellen und für das nächste Musikstück neues Papier aufkleben. Ich nehme wieder das dreigeteilte Papier.

Chopin – Prelude Des-Dur Op. 28 Nr. 15 „Regentropfen“

Eine Klaviermelodie ertönt. Ganz schnell nehmen mich die Töne gefangen. Ich bin irgendwie gleich in der Musik angekommen und kann ganz unbedarft mit dem Pinsel spielen. Die Melodie tropft wunderschön. An sich bin ich kein Fan von Klaviermusik – ehrlich gesagt, gehen mir Klavierstücke häufig ganz schnell auf die Nerven und deshalb würde ich niemals in ein Klavierkonzert gehen. Aber dieses Stück ist wunderschön und viel zu schnell zu Ende. Kurze Pause, auf die Bilder schauen und jeder überlegt für sich, ob er an sein Bild noch einmal herangehen möchte. Ja, ich möchte unbedingt das Klavierstück noch einmal hören.

In aller Ruhe höre ich dem Stück zu und verstärke hier und dort Farbe und Tropfen, umrande ein paar Formen mit einem roten Ölpastellstift.

Ich bin zufrieden und möchte diese Bilderserie nun unverändert lassen, um das erste Ursprüngliche hierin zu spüren.

Regentropfen

Wir haben noch ungefähr eine halbe Stunde Zeit bis zur Mittagspause. Evelin ermutigt uns, nun mit unseren Bildern so um zu gehen wie sonst auch. Eben das aus unserer Sicht Beste oder für uns Interessanteste aus ihnen heraus zu holen. Sie fragt uns, wie wir uns mit unseren Arbeitsergebnissen bzw. dieser besonderen Herangehensweise an ein mögliches Bild bisher fühlen, was dann auch sehr unterschiedlich ist. Ich werde von einer Teilnehmerin gefragt, ob ich beim Malen oft Musik höre. Ganz ehrlich, sobald ich zu Hause bin, ist das Erste (oft noch in der Jacke) Radio an, also ganz klar: ja, beim Malen spielt fast immer das Radio oder eine CD. Aber trotzdem habe ich noch nie bewusst ein Bild nach der gerade spielenden Musik begonnen. Es war für mich heute eine Premiere. Ausschließen will ich jedoch nicht, dass mich unbewusst die spielende Musik beim Malen meiner Bilder beeinflusst.

Evelin betrachtet mit jeder Teilnehmerin einzeln deren Bilder, gibt Anregungen, stellt Fragen, die möglicherweise weiter helfen und geht auf die Wünsche der Einzelnen ein.

Vivaldi – Frühling

Innerlich kämpfe ich mit meinem Vivaldi Frühlingsbild. Das springende lebendige hat eine harte gebogene Grenze, die die Schleifenspirale abtrennt und für sich stehen lässt. Noch kann ich die Grenze nicht ganz aufgeben. Ich verändere die Farbe von Violett in Blau. Es ist nicht besser, stört immer noch. Ich weiß es. Evelin hilft mir über den Berg und ich nehme das Feste weg indem ich es weiß überstreiche. Und wieder geht es ab zum Trocknen.

Mittagspause (Das Sirtaki Bild und Vivaldis Frühling)

Alle gehen in die Pause. Ich esse und sehe mich um, genieße die Atmosphäre wie immer. Rund eine Stunde bin ich für mich.

Das Sirtaki – Bild verlangt nach mir. Ich habe die Idee, es mit Chopins Regentropfen zu übermalen. Mindestens acht Mal höre ich die Melodie und male immer wieder auf dem Griechischen Bild, weiß, blau, indigo und karmin. Zuletzt gehe ich noch mit dem schwarzen Ölpastellstift hinein. Es ist ein echter Hingucker geworden. Ich setze sofort meine Signatur drunter – bloß nichts mehr ändern. Sirtaki ist Vergangenheit geworden – die Regentropfen haben sich durchgesetzt.

Regentropfen 2

Der Frühling von Vivaldi will auch noch etwas von mir. Ich suche die richtige CD und lasse die Melodie erklingen. Es klappt. Irgendwie beginne ich sie zu verstehen. Die ehemalige harte, trennende und dann weiß abgedeckte Rundung übermale ich mit Gelb. Auch das klare Orange muss noch auf das Papier. Die Spirale ist links zu lang, sie wird erst einmal weiß. Wiese nur sie? Ich male erst einmal ein weißes Quadrat. Es trocknet. Ich färbe das Quadrat vorsichtig ein. Wieder höre ich den Frühling springen und ganz von alleine springt auch der Pinsel. Fast fertig! Jetzt brauche ich entspannende Musik, ruhige Musik. Ich lege die CD von Loreena Mckennitt auf und male noch einige Stellen in meinem Bild in aller Ruhe fertig, Kleinigkeiten eben und dann auch noch zur Ausdrucksteigerung mit dem schwarzen Ölpastellstift den Schwung des Frühlings nach. Signatur drunter und bloß nichts mehr malen, es könnte alles verderben.

Frühling / Vivaldi

Es grüßt Euch – Ute

Eine Antwort zu “Malen nach Musik”

  1. prenzlmaler sagte

    Hallochen, Ute !

    Habe soeben deinen Beitrag gelesen und möchte mich für das Geschriebene bedanken.

    LG Dieter.

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