Maltag bei Evelin – Acrylmalen – Thema Ausdrucksmalen
September 23, 2008
20.09.2008
Der Vormittag
Der Maltag beginnt wie üblich mit einer Teerunde. Heute sind wir nur drei Teilnehmerinnen. Alle erzählen ein bisschen, kommen zur Ruhe und schauen auf das von Evelin vorbereitete Anschauungsmaterial. Dort liegen Bücher mit aufgeschlagenen Seiten. Ich sehe expressionistische Körper in explosiven Farben. An den Wänden hängen teils unfertige Bilder – es scheinen Bildideen zu sein. Auf der Erde liegen merkwürdige Bildformate. Mir scheint auf den Dreien eine Geschichte erzählt zu sein. Auch stehen Leinwände mit Formaten sehr schmal aber hoch in Sichtweite. Was das wohl werden soll?
Evelin erklärt uns, dass sie gestern bis Mitternacht geübt hat, was sie sich so als Thema für heute für uns ausgedacht hat. Sie selbst ist so dabei gewesen, dass sie sich regelrecht zwingen musste aufzuhören. Körperbilder soll die Anregung für uns sein. Und zwar in dem Sinne: Wo stehe ich jetzt? Was ist mein Weg? Wo will ich hin?
Die Körper sollen gar nicht den Anspruch haben, real zu sein. Wenn sie es sind: So sei es! Aber wir sind nicht aufgefordert, einen Körper in Realgrößen und Formen zu malen. Selbst, wenn am Ende gar kein Körper auf dem Bild mehr sichtbar ist – ist es gut. Das schmale Papierformat soll uns zusätzlich begrenzen. Sie hat schon einige Papiere im Format 50 x 20 (?) zugeschnitten. Nee, ich möchte 100 x 50. Die anderen auch. Also schneidet Evelin die Papiere zu. Im Laufe des Vormittags kommt sie richtig in Stress, um unseren Papierbedarf zu decken. Schmunzel.
Richtig Lust habe ich auf heute auf Experimente und spontanes Tun.
Ich fange an. Grün, orange, gelb und weiß brauche ich – später noch blau, karmin, indigo – ja, eben fast die ganze Farbpalette. Die Farben werden gesetzt – teils sehr flüssig, teils lasse ich Wasser drüber laufen. Es geht sehr schnell, also das Bild raus zum Trocknen in den Garten stellen. Nächstes Blatt – jetzt hauptsächlich zitronengelb und ultramarin mit viel Wasser. Schon wieder der erste Arbeitschritt fertig! Evelin, mein 2. Blatt muss trocknen. Also noch ein drittes Blatt aufspannen, in die Farbe greifen und Spuren aufs Blatt ziehen, mit dem Pinselstil einige Strukturen ziehen, beiseite stellen, Tee trinken und sich die drei begonnenen Bilder anschauen. Ich sehe etwas. Beim 2. Bild mag ich nicht mehr viel verändern. Spontan kommt mir die Idee einen Spruch auf das Blatt zu schreiben. Evelin findet für mich Minibücher mit schlauen Sprüchen. Ganz schnell habe ich den richtigen gefunden. Es ist ja das Bild: Was ist mein Weg? Das Mittlere!
Bildtitel: Bäume
Im Ersten Bild sehe ich einen wunderbaren Wald. Er wird verdeutlicht. Unten sind zwei Figuren, die durch Umrandung mit Ölpastellen kenntlicher gemacht werden und später durch Acrylfarbe in das Bild eingebunden werden. Zwei runde Scheiben erkenne ich. Eine drängt sich sehr vor. Sie wird erst einmal weiß gefärbt. Oben ist nicht viel zu tun. Mit Ölpastellstiften ein paar Linien ziehen und was ist das? Sieht ein bisschen wie eine Torte aus. Irgendwie finde ich das Bild humorig und das bleibt dann auch den ganzen restlichen Tag so. Immer, wenn ich es ansehe muss ich schmunzeln. Nach dem Trocknen des weißen Kreises wird er gefärbt und eingebunden oder auch nicht richtig – ich kann mich nicht richtig entscheiden und das sieht man auch auf dem Endergebnis.
Bildtitel: Ober- und Unterwelt
Es ist kurz vor Mittag und ich bekomme von Evelin die zusätzliche Aufgabe ein „hässliches Bild“ zu malen. Natürlich revidiert sie das. Was ist denn ein hässliches Bild? Sie meint selbstverständlich ein Bild, auf dem ich keine Hemmungen habe, einige wenige Stellen stehen zu lassen und den Rest weiß zu übermalen, um dann noch einmal neu zu beginnen mit den schönen Stellen und der unschuldigen Fläche. Sie schneidet mir schnell ein Papier, aber ich lasse es erst einmal ruhen. Beginne ein Restblatt (100 x 20) zu bemalen. Kugeln müssen es sein und Strichmännchen. Macht viel Spaß. Es ist Mittag.
Mittagspause
Ich fühle mich wohl und entspannt. Suche mir ein paar Bücher aus Evelins Schrank, setze mich mit meinem Brot, dem Apfel aus dem eigenen Garten und den Büchern auf die Terrasse. Die Sonne scheint so wunderbar. Ich genieße das und meine Pause ist diesmal tatsächlich eine Stunde lang.
Mit Zustimmung der anderen Teilnehmerinnen lege ich zum Ende meiner Mittagspause die von mir mitgebrachte CD von Patricia Kaas (le mot de passe) auf. Wunderschön! Es ist etwas lauter an, weil Vera auf der Terrasse auch etwas hören möchte. – Später erzählt Evelin, dass sie ihren Sohn in der Mittagspause in Verdacht hatte, so laute Musik zu hören. Upps, entschuldige!
Schnell male ich den Beginn des „hässlichen Bildes“. In die Farbe gehe ich mit dem Spachtel, stelle es an die Seite und beachte es gar nicht, wirklich gar nicht.
Das Strichmännchenbild will noch etwas Form haben. Ich mag es.
Bildtitel: Das Strichmännchenbild
Das dritte Bild – Wo will ich hin? – ist dran. Alles, was ich so sehe verdeutliche ich. Baue eine Art Treppe ein und beginne einen Höhleneingang zu skizzieren.
Evelin kommt von der Mittagspause. Ihr Blick fällt auf das Hässliche. Ja, sagt sie, es erinnert mich an Dein Bild „violett“. Ich sehe sofort den Mann aus dem Bild violett. Er geht nur diesmal den Berg hinauf und hat einen Seesack auf dem Rücken. Oh, je! Wenn jemand so viel Fantasie hat, dann sieht er bei so einem gespachtelten Bild sofort irgendetwas. Ja, ich finde ganz, ganz viel. Sie meint, dass sie durchaus versteht, wenn ich jetzt wie gehabt weitermale bzw. mit der Zeichenfeder arbeite. Aber sie wird nicht aufgeben und versuchen, mir neue Perspektiven zu vermitteln. Ich will nicht mehr viel sehen, nehme den Ölpastellstift, umzeichne einige Felder – bitte nicht nur Quadrate und Rechtecke, besser sind freie Formen -, nehme weiß und vernichte den Mann mit dem Seesack. Ganz schnell, sonst hätte ich es nicht geschafft. Das Bild muss jetzt erst einmal trocknen.
Zurück zu Nummer 3. Die Schlange bekommt ein Auge. Ein Muster soll die Schlangenhaut zieren. Das ist eine mental ganz beruhigende Arbeit. Evelin sieht das Blatt, ich den Berg mit der Treppe, aber jetzt, wo sie es sagt, sehe ich das Blatt auch und es gefällt mir. Mein Höhleneingang wird zum Apfel. Ein paar kleine Details noch, Farbe verstärken, betrachten und ja, ist gut so.
Bildtitel: Der Garten Eden
Das Hässliche bekommt Farbe und Strukturen. Die Strukturen sind Worte – Fragen. Die Farbflächen noch etwas verbinden und nun aufräumen, die Malzeit ist um.
Zu Hause erhält das Bild noch einige Strukturen mit einem weißen Ölpastellstift. Natürlich finde ich wieder Figuren.
Bildtitel: Fragen über Fragen
Es tat gut, einmal nur abzuschalten, den Stress der vergangenen Woche hinter sich zu lassen.
Es grüßt Euch – Usto





Hallochen, Ute !
Nach einer großartigen Schreibpause, die inzwischen in die Geschichte eingegangen ist, lässt du nun einen Erguss los, der sich jüngst in deiner Privatsphäre als Freizeitmalerin abspielte. Ich möchte mich tröpfchenweise dazu äußern, momentan bis zum Beginn deiner wohlverdienten Mittagspause.
Unschwer kann man feststellen, dass es dir und wahrscheinlich auch deinen Mitschwestern Spaß macht, sich neben der Arbeit mal richtig auszutollen, wobei ich nicht erkennen kann, ob die Ernsthaftigkeit der Malerei überhaupt zur Debatte steht. Beschwingt wird zur Sache gegangen und alles ist erlaubt. Hier steht nicht die Malerei, sondern die Freude am Schaffen im Vordergrund. Ähnliche Situationen kennt man bei Kindern, die mit Jux und Trallala sich die Zeit vergolden und hinterher sagen: „Ey, Leute ! War das wieder geil !“
Aber wer soll sich in solchen Stunden konzentrieren können ? Wird wirklich die Fantasie in ergiebiger Breite ausgelotet und angewendet ? Oder sind nicht die Zufallsprodukte angetan, sich gegenseitig den Grund für eine Flaxerei zu verschaffen, ohne seine eigene Souveränität auf’s Spiel zu setzen, weil im Soge der Produkte der anderen ähnliche Parameter bestehen ? Arbeiten am Fließband. Zeitvertreib. Quietschvergnügt geht’s in die Mittagspause.
Was nach der Mittagspause geschehen wird, weiß ich noch nicht. Abwarten, Tee trinken.
Gruß Dieter.
Hallochen, Ute !
Wenn man beruflich sehr angespannt oder anderweitig irgendwelchem Stress ausgesetzt ist, sucht man Möglichkeiten, sich zu entspannen, sich von der Belastung zu erholen. So kann auch eine Zusammenkunft in einem Malkurs dazu dienlich sein, Glückshormone freizulegen. Man atmet auf, endlich wieder außerhalb der Stressfaktoren sich bewegt und amüsiert zu haben. Das glückliche Gemeinschaftserlebnis steht im Vordergrund und wirkt positiv auf die Psyche. Aus diesem Gesichtswinkel betrachtet, möchte ich deinen Kommentar so stehen lassen. Man muss nicht immer nach der hohen Ernsthaftigkeit der Bildenden Kunst streben. Solche freudvollen Zusammenkünfte gönne ich dir von ganzem Herzen.
Nette Grüße von
Dieter.