Maltag bei Evelin – Acrylmalen – Thema Ausdrucksmalen
September 23, 2008
20.09.2008
Der Vormittag
Der Maltag beginnt wie üblich mit einer Teerunde. Heute sind wir nur drei Teilnehmerinnen. Alle erzählen ein bisschen, kommen zur Ruhe und schauen auf das von Evelin vorbereitete Anschauungsmaterial. Dort liegen Bücher mit aufgeschlagenen Seiten. Ich sehe expressionistische Körper in explosiven Farben. An den Wänden hängen teils unfertige Bilder – es scheinen Bildideen zu sein. Auf der Erde liegen merkwürdige Bildformate. Mir scheint auf den Dreien eine Geschichte erzählt zu sein. Auch stehen Leinwände mit Formaten sehr schmal aber hoch in Sichtweite. Was das wohl werden soll?
Evelin erklärt uns, dass sie gestern bis Mitternacht geübt hat, was sie sich so als Thema für heute für uns ausgedacht hat. Sie selbst ist so dabei gewesen, dass sie sich regelrecht zwingen musste aufzuhören. Körperbilder soll die Anregung für uns sein. Und zwar in dem Sinne: Wo stehe ich jetzt? Was ist mein Weg? Wo will ich hin?
Die Körper sollen gar nicht den Anspruch haben, real zu sein. Wenn sie es sind: So sei es! Aber wir sind nicht aufgefordert, einen Körper in Realgrößen und Formen zu malen. Selbst, wenn am Ende gar kein Körper auf dem Bild mehr sichtbar ist – ist es gut. Das schmale Papierformat soll uns zusätzlich begrenzen. Sie hat schon einige Papiere im Format 50 x 20 (?) zugeschnitten. Nee, ich möchte 100 x 50. Die anderen auch. Also schneidet Evelin die Papiere zu. Im Laufe des Vormittags kommt sie richtig in Stress, um unseren Papierbedarf zu decken. Schmunzel.
Richtig Lust habe ich auf heute auf Experimente und spontanes Tun.
Ich fange an. Grün, orange, gelb und weiß brauche ich – später noch blau, karmin, indigo – ja, eben fast die ganze Farbpalette. Die Farben werden gesetzt – teils sehr flüssig, teils lasse ich Wasser drüber laufen. Es geht sehr schnell, also das Bild raus zum Trocknen in den Garten stellen. Nächstes Blatt – jetzt hauptsächlich zitronengelb und ultramarin mit viel Wasser. Schon wieder der erste Arbeitschritt fertig! Evelin, mein 2. Blatt muss trocknen. Also noch ein drittes Blatt aufspannen, in die Farbe greifen und Spuren aufs Blatt ziehen, mit dem Pinselstil einige Strukturen ziehen, beiseite stellen, Tee trinken und sich die drei begonnenen Bilder anschauen. Ich sehe etwas. Beim 2. Bild mag ich nicht mehr viel verändern. Spontan kommt mir die Idee einen Spruch auf das Blatt zu schreiben. Evelin findet für mich Minibücher mit schlauen Sprüchen. Ganz schnell habe ich den richtigen gefunden. Es ist ja das Bild: Was ist mein Weg? Das Mittlere!
Bildtitel: Bäume
Im Ersten Bild sehe ich einen wunderbaren Wald. Er wird verdeutlicht. Unten sind zwei Figuren, die durch Umrandung mit Ölpastellen kenntlicher gemacht werden und später durch Acrylfarbe in das Bild eingebunden werden. Zwei runde Scheiben erkenne ich. Eine drängt sich sehr vor. Sie wird erst einmal weiß gefärbt. Oben ist nicht viel zu tun. Mit Ölpastellstiften ein paar Linien ziehen und was ist das? Sieht ein bisschen wie eine Torte aus. Irgendwie finde ich das Bild humorig und das bleibt dann auch den ganzen restlichen Tag so. Immer, wenn ich es ansehe muss ich schmunzeln. Nach dem Trocknen des weißen Kreises wird er gefärbt und eingebunden oder auch nicht richtig – ich kann mich nicht richtig entscheiden und das sieht man auch auf dem Endergebnis.
Bildtitel: Ober- und Unterwelt
Es ist kurz vor Mittag und ich bekomme von Evelin die zusätzliche Aufgabe ein „hässliches Bild“ zu malen. Natürlich revidiert sie das. Was ist denn ein hässliches Bild? Sie meint selbstverständlich ein Bild, auf dem ich keine Hemmungen habe, einige wenige Stellen stehen zu lassen und den Rest weiß zu übermalen, um dann noch einmal neu zu beginnen mit den schönen Stellen und der unschuldigen Fläche. Sie schneidet mir schnell ein Papier, aber ich lasse es erst einmal ruhen. Beginne ein Restblatt (100 x 20) zu bemalen. Kugeln müssen es sein und Strichmännchen. Macht viel Spaß. Es ist Mittag.
Mittagspause
Ich fühle mich wohl und entspannt. Suche mir ein paar Bücher aus Evelins Schrank, setze mich mit meinem Brot, dem Apfel aus dem eigenen Garten und den Büchern auf die Terrasse. Die Sonne scheint so wunderbar. Ich genieße das und meine Pause ist diesmal tatsächlich eine Stunde lang.
Mit Zustimmung der anderen Teilnehmerinnen lege ich zum Ende meiner Mittagspause die von mir mitgebrachte CD von Patricia Kaas (le mot de passe) auf. Wunderschön! Es ist etwas lauter an, weil Vera auf der Terrasse auch etwas hören möchte. – Später erzählt Evelin, dass sie ihren Sohn in der Mittagspause in Verdacht hatte, so laute Musik zu hören. Upps, entschuldige!
Schnell male ich den Beginn des „hässlichen Bildes“. In die Farbe gehe ich mit dem Spachtel, stelle es an die Seite und beachte es gar nicht, wirklich gar nicht.
Das Strichmännchenbild will noch etwas Form haben. Ich mag es.
Bildtitel: Das Strichmännchenbild
Das dritte Bild – Wo will ich hin? – ist dran. Alles, was ich so sehe verdeutliche ich. Baue eine Art Treppe ein und beginne einen Höhleneingang zu skizzieren.
Evelin kommt von der Mittagspause. Ihr Blick fällt auf das Hässliche. Ja, sagt sie, es erinnert mich an Dein Bild „violett“. Ich sehe sofort den Mann aus dem Bild violett. Er geht nur diesmal den Berg hinauf und hat einen Seesack auf dem Rücken. Oh, je! Wenn jemand so viel Fantasie hat, dann sieht er bei so einem gespachtelten Bild sofort irgendetwas. Ja, ich finde ganz, ganz viel. Sie meint, dass sie durchaus versteht, wenn ich jetzt wie gehabt weitermale bzw. mit der Zeichenfeder arbeite. Aber sie wird nicht aufgeben und versuchen, mir neue Perspektiven zu vermitteln. Ich will nicht mehr viel sehen, nehme den Ölpastellstift, umzeichne einige Felder – bitte nicht nur Quadrate und Rechtecke, besser sind freie Formen -, nehme weiß und vernichte den Mann mit dem Seesack. Ganz schnell, sonst hätte ich es nicht geschafft. Das Bild muss jetzt erst einmal trocknen.
Zurück zu Nummer 3. Die Schlange bekommt ein Auge. Ein Muster soll die Schlangenhaut zieren. Das ist eine mental ganz beruhigende Arbeit. Evelin sieht das Blatt, ich den Berg mit der Treppe, aber jetzt, wo sie es sagt, sehe ich das Blatt auch und es gefällt mir. Mein Höhleneingang wird zum Apfel. Ein paar kleine Details noch, Farbe verstärken, betrachten und ja, ist gut so.
Bildtitel: Der Garten Eden
Das Hässliche bekommt Farbe und Strukturen. Die Strukturen sind Worte – Fragen. Die Farbflächen noch etwas verbinden und nun aufräumen, die Malzeit ist um.
Zu Hause erhält das Bild noch einige Strukturen mit einem weißen Ölpastellstift. Natürlich finde ich wieder Figuren.
Bildtitel: Fragen über Fragen
Es tat gut, einmal nur abzuschalten, den Stress der vergangenen Woche hinter sich zu lassen.
Es grüßt Euch – Usto
Mein allererstes Aquarell
September 12, 2008
Jeder fängt irgendwann einmal an. So war es auch bei mir. Nachdem ich drei Jahre lang zu Weihnachten teilbare Plastikkugeln mit Acrylfarbe bemalt, betropft, betupft hatte und auch mit Klebepistole Spuren auf den Kugeln hinterlassen und diese mit Gold-, Silber- oder Bronzeglimmer betrichen hatte und sie zum Abschluss lackiert hatte, hatte ich genug davon. Mir fehlte jedoch etwas. Ganz doll! Da fiel mir im Sommer danach das Volkshochschulheft in die Hand und es wurde ein Mal- und Zeichenkurs angeboten. Flugs meldete ich mich an. Eine Freundin kam mit.
Der erste Malabend begann damit, dass der Kursleiter eine Geschichte vom Wikingerschiff erzählte. In dem kahlen schlecht beleuchteten Kunstraum unseres Gymnasiums machten alle Kursteilnehmer lange Gesichter. Was sollte das? Es gab keine Vorlagen, keine Blumen, keine Kalenderblätter, keine richtige Anleitung zum Malen. Und nun – macht `mal schön! Die meisten Teilnehmer konnten schon malen. Ich hatte nie zuvor einen Malkurs mitgemacht und auch nicht wirklich eine Erwartungshaltung, da ich ja keinen Vergleich hatte. Also malte ich auf meinem DIN A 5 Skizzenpapier drauflos.
Hier seht ihr nun das Ergebnis des ersten Abends.
Inzwischen male ich seit 12 Jahren und weiß, was mir damals fehlte.
Es Grüßt Euch – Usto
Ziemlich neugierig war ich, was mich wohl in der Galerie der Klassischen Moderne auf Schloss Gottorf erwarten würde. Ich wurde nicht enttäuscht.
Im Eingangsbereich befinden sich eine sehr schöne modern gehaltene Cafeteria und die Möglichkeit, Erinnerungsbildbände oder Karten mit nach Hause zu nehmen. Die Ausstellung beginnt mit Bildern des Schülerwettbewerbes „Jugend im Museum“. Die Schüler haben sich mit dem Expressionismus beschäftigt. Lebhafte wunderbare nachempfundene „Nolde Bilder“ hängen an den Wänden, ebenso wie bunte expressionistische Selbstportraits. Dem schließen sich echte Noldes und Expressionisten wie Jawlenski, Otto Müller und noch mehr große Namen an. Die Portraits aus Neuguinea von Emil Nolde haben mich überrascht. Sie sind wunderbar fein gearbeitet, wo ich sonst häufig die groben Menschen Emils gesehen hatte. Sie begeistern mich sehr.
Ein echtes Highlight ist dann jedoch die Käthe Kollwitz Sammlung. Großartige Zeichnungen! Portraits, Selbstportraits und Menschenbilder werden gezeigt. Sie lebte in einer sehr schwierigen Zeit und musste den zweiten Weltkrieg erleben. Gekonnt hat sie das Leid der Menschen eingefangen und auch anhand der Selbstportraits war erkennbar, wie schwer ihr eigenes Leben gewesen sein musste. Hunger, viele Frauen, die eng zusammenrückten und ums Überleben kämpften – wenig Männer, Kinder, waren ihre Themen. Soziale Not hat sie grandios dargestellt. Plakatentwürfe wie „Unsere Kinder sollen nicht mehr hungern“, „Lasst die Kriegsgefangenen frei“, finden sich auch in der Ausstellung. Ich bin schwer beeindruckt. Käthe Kollwitz war für mich eine Kämpferin für die sozialen Belange der Menschen ihrer Zeit.
Es grüßt Euch – usto
Die dreizehnte Geschichte
Mai 30, 2008
Roman von Diane Setterfield
Der Roman erzählt die Geschichte der Familie Angelfield. Insbesondere die Geschichte der Kinder dieser Familie. Ganz besondere geheimnisvolle und manchmal auch gespenstische Zwillingsmädchen leben in einer Welt, wie sie eigentlich für Kinder nicht sein dürfte. Der Roman erzählt zwei Geschichten, die der Biografin Margaret und die der Schriftstellerin Vida Winter. Eigentlich haben die beiden Romangestalten nichts miteinander zu tun und doch verbindet sie etwas. Im Laufe der Ereignisse lüften sich die Geheimnisse und die Gespenster werden wahr. Am Ende des Buches wird die ganze Tragik der Familie Angelfield offen gelegt.
Das Geschehen im Buch wird erzählt, gesprochen wird wenig. Die Beschreibungen der Umgebung und der Lebensumstände sind so klar, dass es dem Leser so vorkommt, als würde er genau dort stehen und zuschauen können. Die Personen sind so lebensecht geschildert, dass man meint mit zu erleben, wie die Personen altern. Die Sprache ist klar und unverschnörkelt. Mir gefiehl das besonders, ebenso die wunderbar dargestellten Gefühle, Zweifel, Überraschenden Wendungen und das einerseits traurige und andererseits verhalten freudige Ende.
Es grüßt Euch – Usto
Ulldart – Autor: Markus Heitz
Mai 17, 2008
Ulldart – die dunkle Zeit (6 Bände)
Ulldart – Zeit des Neuen (3 Bände)
Autor: Markus Heitz/Piper Verlag
Gestern habe ich es geschafft. Alle 9 Bände sind gelesen. Schade eigentlich! Gut, dass der Autor offen lässt, ob die Serie weiter geht. Ich jedenfalls würde mich freuen.
Wer Fantasie Romane liebt, wird hier bestimmt nicht enttäuscht. Menschen, Magier, Götter, Sumpfbestien, Heiler, der König der Spione, Ritter, ein Spaßmacher, Grünhaarige, Piraten und und und tummeln sich in allen Bänden. Es gibt die Guten und natürlich die Bösen. Nicht immer eindeutig, was oder wer mag wohl gut sein? Die Geschichte lebt und entwickelt sich mit jedem Band, spannendes und nicht vorher zu sehendes passiert. Die Fantasie des Autors kennt keine Grenzen und doch hat die Geschichte einen Rahmen. Ulldart, der Kontinent mit seinen vielen Königreichen auf dem so vieles passiert und die angrenzenden Reiche sowie das Meer geben den Romanfiguren ihren Halt und lassen sie in diesem Rahmen agieren. Ich fühlte mich immer mitten drin in der Geschichte, an manchen Stellen konnte ich nicht eher schlafen gehen, als bis die Spannung nach ließ. Gut, dass es auch ruhigere Stellen gab.
Die Sprache, in der die Serie geschrieben ist, war mir sehr angenehm, respektvoll. Liebevoll werden die einzelnen Figuren beschrieben, mit ihren Schwächen und Stärken. Sie leben, sie lieben und sie kämpfen für ihre Überzeugungen, ganz authentisch. Ganz besonders gefiel mir, dass im Laufe der Bücher eine Integration stattfand – ganz zeitgemäß.
Ich wünsche Euch genauso viel Spannung und Freude beim Lesen dieser Fantasie-Roman-Serie, wie ich sie hatte.
Es grüßt Euch – Usto
Sieben Jahre in Tibet – Erinnerungen von Heinrich Harrer
März 31, 2008
Sieben Jahre in Tibet – Erinnerungen von Heinrich Harrer
Ein Buch voller Erinnerungen und Erlebnissen erzählt von Tibet.
Die unglaubliche Natur wird mit Worten in den schönsten Farben gemalt. Einsamkeit, Entbehrung, Staunen über die Natur und auch über die Menschen sind Empfindungen, die von Heinrich Harrer anschaulich dokumentiert wurden. Wenn man das Buch liest, dann begleitet man die beiden Freunde Heinrich Harrer und Peter Aufschnaiter bei ihrer einsamen Reise durch Tibet. Ihr Ziel ist Lhasa. Unterwegs begegnen sie Menschen. Menschen, die ihnen helfen und auch solche, die sie außer Landes weisen. Das Volk Tibets wird als sehr zurückhaltendes fast fremdenfeindliches Volk geschildert, wobei sicher auch die damalige politische Lage eine Rolle spielte.
Aber sie treffen auch auf neugierige, offene Menschen, die sehr interessiert am Fortschritt sind und auf den heutigen Dalai Lama. Er war zu dieser Zeit noch ein Kind, ein sehr interessiertes, kluges Kind.
Wer mehr über Tibet wissen möchte, der kann aus diesem Buch etwas von der Geschichte und den Menschen Tibets erfahren. Gerade in der jetzigen schwierigen Zeit Tibets, wünsche ich den Menschen Beachtung und Hilfe.
Mich hat ganz besonders der Mut der Mönche beeindruckt, die vor ein paar Tagen für die Rechte ihres Landes eingetreten sind. Sie waren meines Erachtens sehr authentisch.
Ute Storjohann
Acrylmalen – Maltag bei Evelin
März 16, 2008
Seit einigen Wochen freute ich mich schon auf diesen einen Tag. Den ganzen Tag malen, was für ein Luxus ist das. Am Freitag erledigte ich den Haushalt und überlegte mir, was meine Familie noch am Samstag übernehmen muss, verteilte diese Aufgaben und dann konnte ich den Maltag ganz entspannt beginnen.
Ganz gemütlich bei einem Tee erzählte E. der Gruppe (vormittags 3, nachmittags 4 Frauen), was sie mit uns erarbeiten wollte. Der Oberbegriff für den Maltag war Ausdrucksmalen (in Anlehnung an Arno Stein). Dieses Mal jedoch mit einem speziellen Thema: Kontraste: extremste Kontraste in Farbe, im Farbauftrag, innerhalb einer Farbe hell/dunkel.
Mmmmh, ich liebe eigentlich Farbharmonien! Aber ran an die Arbeit: Welche Farben nehme ich? Leinwand oder Papier? Groß oder klein? Pinsel, Spachtel, Hände, Schaumstoffwalze oder was?
Ich entschied mich für das Gelb und das Blauviolett mit dem Weiß und die nebenstehenden Farben zum Violett. Papier in der Größe 70 x 100 cm und großen Pinsel und die Finger.
Erst sanft die Farben mit viel Wasser verdünnt auftragen und auch etwas laufen lassen. Dann ohne viel zu überlegen mit den Fingern expressiv, dick und emotional Spuren hinterlassen. Ich bin irgendwie viel zu schnell fertig. Dieses Bild muss erst einmal beiseite gestellt werden.
Das nächste Blatt Papier aufspannen. Jetzt mit einer Farbe und ihren Nachbarfarben Spannung aufbauen. Wie macht man das? Ich nehme das Violett. Gelb hat mir zu wenig Nuancierungen. Wieder fange ich aquarellartig an, fühle mich sehr wohl dabei. Dann gehe ich expressiver mit Farbe und Spachtel an das Bild. Ich arbeite richtig, es strengt mich an. Aber es ist vom Gefühl her nicht unangenehm. Um dem Bild noch etwas mehr Spannung zu geben, setze ich etwas Rot hinein und auch noch sehr wenig Indigo vermischt mit Violett. Das Bild hat sehr helle Stellen und auch einige dunkle. Es sieht viel versprechend aus, aber noch nicht fertig. Etwas fehlt noch, um den Ausdruck zu steigern. Schwarze Tusche fein aufgetragen, das wär`s. Evelin hat nur noch einen Rest. Das reicht nicht aus für das große Bild und die Tintenpatronen sind eingetrocknet. Da muss ich wohl flexibel sein, rufe zu Hause an und beschreibe meinem Mann, wo die schwarze chinesische Tusche ist. Er bringt sie mir am Mittag. Ich muss warten und stelle seufzend das Bild erst einmal beiseite. Es fällt mir schwer, weil ich es liebe Bilder in „einem Guss“ zu malen.
Ich fange ein neues Bild an. Das ist heute schon das Dritte. Dieses Mal noch einmal Farbkontraste. Auf meiner Palette ist sehr viel Farbe von den beiden vorangegangenen Bildern. Wieder fange ich aquarellartig mit großem Pinsel an. Diesmal entsteht erst ein Oval. Blaugrün ist die Hauptfarbe. Mit dem Spachtel trage ich auch Farbe auf, Kratze und schiebe die Farbe hin und her. Es ist so schön harmonisch. Da kommt E. Welche Kontrastfarbe willst Du nehmen und „Pariser Blau“ brauchst Du auch noch? Sie lässt nicht locker und so entscheide ich mich für Karminrot. Ist ja unser Thema heute. Setze es auf das Blaugrün und E. merkt kurz an: „Das wird braun! Ich finde es sehr gut, dass Du das Auge über dieses Blaugrün und Braun zum Karminrot lenkst.“ Sie lässt wirklich nicht locker. Also setze ich noch zwei weiße, damit das Karminrot dann auch schön leuchtet.
Ich kann nicht mehr, bin total ausgepowert und mein Magen macht komische Geräusche. Also ist eine Mittagspause angesagt. Mein Mann bringt die Tusche und beide Bilder trocknen, während ich im Atelier esse und sie betrachte. Die anderen Teilnehmer und E. gehen über Mittag ca. 1 1/2 Stunden weg. Ich bin ganz alleine im Atelier, umgeben von den unfertigen Bildern aller Teilnehmer. Das genieße ich sehr. Die Bilder aller Teilnehmer unterscheiden sich sehr. Ich mag das. Meine eigene Pause halte ich sehr kurz, weil ich furchtbar gerne ganz alleine im Atelier arbeite. Da entwickeln sich bei mir die Feinheiten oder letzten Pinselstriche oder Ideen zu meinen Bildern. Es ist einfach toll da zu sitzen und die Ideen fließen nur so.
Schnell das Blaugrüne fertig malen – es fehlt nur noch wenig und das Violette lockt. Das Karminrot reinsetzen und alles etwas verbinden. Nein, der letzte Kick fehlt noch. Ich nehme einen schwarzen Ölpastellstift und gehe damit über das gesamt Bild. Fertig! Ich bin zufrieden und fühle mich mit dem Endergebnis sehr wohl.
Dieses Bild war sehr schwer zu fotografieren. Ich habe x-Versuche gebraucht, bis ich zufrieden war. Es durfte nicht im Licht fotografiert werden, denn dann war es viel zu blau.
Nun das Violette weiter malen. E. hat viele Zeichenfedern. Ich entscheide mich für eine uralte Glasfeder. Oben fast in der Mitte fange ich an, die Strukturen mit feinen Linien zu ergänzen. Gehe dann nach links, oh, etwas verwischt, schnell abwaschen und ist doch klar, die Tusche muss erst trocknen, also jetzt aufpassen.! Ich sehe so viele Gestalten, Hemden, ein Zelt, Kristalle und und und. Jetzt zeichne ich meine Linien unten. Häh`, wieso fließt die Tusche nicht mehr, kann doch gar nicht angehen! Eben noch war es die tollste Feder, die ich je in der Hand hatte. Ein sehr weicher und gleichmäßiger Strich war doch mit ihr möglich. Meine Hand ist ganz schwarz. Jetzt hab`ich`s! Oben hielt ich die Feder richtig. Unten auch wie einen Schreiber, aber hier den Stil nach unten, da ich in der Hocke war und so fließt natürlich nichts. Hände waschen, Stil richtig halten und schon macht es wieder Spaß. Fast zwei Stunden brauche ich für die Ausarbeitung. Eine Teilnehmerin kommt zurück und bemerkt, dass ich so fein arbeite. Sie würde dort kräftiger rangehen – ich nicht! Die weiteren Teilnehmer und E. kommen wieder. E. bittet mich zu überdenken, ob ich nicht die eine rote Stelle etwas zurücknehmen möchte. Ich widersetze mich, ich brauche es an dieser Stelle so wie es ist.
Fertig! Wenn ich es so betrachte, dann sehe ich so viele Dinge dort und könnte fast eine Geschichte dazu erfinden, vielleicht, wenn ich einmal viel Zeit habe.
Es ist noch Zeit. Willst Du noch ein Bild anfangen?
Jein, aber es ist wirklich noch viel Zeit und ich kann die Restfarbe noch aufbrauchen. Flächenkontraste sollen es diesmal sein. Ich fange mit den vielen Farben an, setze Flächen und spachtele hinein. Es befinden sich alle Farben des Farbkreises auf meinem Blatt. Irgendwie fühle ich mich plötzlich überfordert. Zu viele verschiedene Farben, alles fällt auseinander, nichts geht mehr. Ich breche ab. Es ist genug.
E. überredet mich nach dieser Erfahrung doch noch einmal neu zu beginnen, denn es ist ja noch Zeit. Ein kleines Papier. Es ist schnell Farbe drauf und sieht auch wieder ganz locker aus. Also noch ein großes Papier, aber hier reicht meine Energie nur noch zum Auftragen der Restfarbe. Die letzten beiden Papiere lasse ich bei E. im Atelier. Das erste dieser Papiere hat einige schöne Stellen, die kann ich ausschneiden. Mit einem Passepartout schauen wir noch einmal. Ja, drei Stellen gefallen mir.
Das erste Bild des heutigen Tages betrachte ich auch noch einmal. Ich überlege, dass es auch noch ganz gut mit schwarzer Tusche überarbeitet werden könnte. Jedoch nicht mehr heute.
Es war für mich ein ganz wunderbar, erfüllter Tag. Ich bin total ausgepowert und müde, aber glücklich. Schön, dass ich bis zum nächsten Maltag diesmal nicht so lange warten muss. Bereits am 19. April darf ich wieder den ganzen Tag in Farben schwelgen. Ich freue mich schon jetzt darauf. Thema ist dann: Malen nach Musik und Traumreisen
Heute, am Sonntag, hat mir mein jüngster Sohn eine ganz besondere Freude gemacht. Er sah meine Bilder und es rutschte ihm so ´raus: „Die hast Du gestern alle gemalt? Ich finde die alle cool!“





