Die Tore der Welt

Juli 6, 2008

Roman von Ken Follett

Die Fortsetzung von „Die Säulen der Erde“ enttäuscht nicht. Es ist jedoch nicht unbedingt notwendig den Vorgänger zu lesen. Bei dem Roman handelt es sich um eine in sich abgeschlossene Geschichte von den Nachfahren Tom Builders, seines Stiefsohnes Jack und dessen großer Liebe Ariane.

Voller Vorfreude nahm ich den dicken, sehr dicken Wälzer in Angriff. Die eng in kleiner Schrift beschriebenen 1024 Seiten waren es wert. Tiefstes Mittelalter offenbarte sich mir. Auf einfache, grausame und kluge Menschen, Herrscher und Kirchenfürsten traf ich. Eigentlich erzählt das Buch über das Schicksal der Frauen im Mittelalter. Sie sind in diesem Zeitalter so gut wie rechtlos, ob adelig, aus Tagelöhnerkreisen oder reichen Händlerhäusern. Frauen werden regelrecht verkauft, verschenkt, klein gemacht, wo es nur geht. Ihre Väter oder Ehemänner sind die Besitzer der Frauen, und das Schlimmste ist, dass die Rechtsprechung diesen grausamen Bedingungen Recht gibt. Einige wenige der Männer akzeptieren, fördern und lieben den Intellekt ihrer Tochter, ihrer Freundin und unterstützen sie in ihrer Eigenständigkeit und ihrem Tun. Die Frauen wehren sich mit Bauernschläue, Intellekt und Fantasie bis hin zu Mord. Trotz aller Umstände finden die mutigen weiblichen Hauptfiguren Caris und Gwenda ihr Glück, das sie sich selbst schenken oder man könnte auch sagen schwer erkämpfen. Sie trotzen den Mächtigen, nehmen Rückschläge dahin und geben nicht auf.

Die männlichen Hauptfiguren im Buch sind damit beschäftigt, den Lebensunterhalt zu verdienen, Handel zu treiben, Ritter zu werden oder auch der Prior der Priorei Kingsbridge zu werden. Merthin träumt davon, das höchste Gebäude Enlands zu erbauen. Sowohl der Handel, die Brücke zu Kingsbridge als auch das höchste Gebäude Englands sind die Tore zur Welt. Durch die man allerdings selbst gehen muss.

Männer und Frauen machen die schlimme Zeit der Pest durch und bewähren sich oder auch nicht.

Während ich dieses Buch las, kam mir immer wieder in den Sinn, dass Frauen in der Vergangenheit hart für ihre Rechte kämpften, eigentlich ums nackte Überleben. Sie waren die Vorreiter für die Rechte, die wir heute haben. Ihnen haben wir es zu verdanken, dass wir nicht mehr der Besitz eines Mannes sind, sondern unser Leben nach unseren eigenen Vorstellungen leben können. Und was machen wir daraus? Viele Frauen gehen nicht mehr zur Wahl, die elementar für unsere Rechte ist. Warum nicht? Wenn wir heute nicht weiterhin für unsere Rechte eintreten, dann werden wir sie vielleicht eines Tages wieder verlieren.

Es grüßt Euch – usto